Heilpädagogisches Voltigieren & Reiten (HPV/R)???

Was ist...

Unter dem Begriff „Heilpädagogisches Voltigieren & Reiten (HPV/R)“ werden pädagogische, psychologische, psychotherapeutische, rehabilitative und soziointegrative Angebote mit Hilfe des Pferdes bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen mit verschiedenen Behinderungen oder Störungen zusammengefasst. Dabei steht nicht die reitsportliche Ausbildung, sondern die individuelle Förderung über das Medium Pferd im Vordergrund, d.h. vor allem eine günstige Beeinflussung der Entwicklung, des Befindens und des Verhaltens. Im Umgang mit dem Pferd wird der Mensch ganzheitlich angesprochen: körperlich, geistig, emotional und sozial.

Der Vorteil des HPV/R besteht darin, in Kleingruppen oder auch in Einzelmaßnahmen zu arbeiten, wobei immer nur ein Pferd im Einsatz ist , natürlich unter guter Kontrolle des Longenführers. Hierbei steht die Dreierbeziehung

 Ãœbender PferdPädagoge

 im Vordergrund. Das Pferd dient in dieser Konstellation als Vermittler.

Die Entwicklung des Therapeutischen Reitens international und die Stellung des Heilpädagogischen Voltigierens & Reitens innerhalb des Therapeutischen Reitens

Schema

Dieses Schema erfasst am treffendsten die Situation in den deutschsprachigen Ländern Deutschland, Österreich und Schweiz. (Kröger 1997, S.17)

Zielgruppen des HPV/R:

  • Geistige Behinderung
  • Sinnesbehinderungen
  • Verhaltensauffälligkeiten
  • Wahrnehmungs- und Sprachstörungen
  • Lern- und Teilleistungsschwächen
  • Probleme im emotionalen und sozialen Bereich

 

Bei fast allen Zustandsbildern zeigen sich Symptome wie Kontaktarmut, Distanzlosigkeit, vermindertes Selbstwertgefühl, Ängstlichkeit, Antriebslosigkeit, soziale Retardierung, Aggressivität, verminderte Frustrationstoleranz oder Hyperaktivität. Diese unerwünschten Verhaltensweisen können durch die emotionale Kontaktaufnahme zum Tier, gezielte Übungen sowie eine intensive Gruppendynamik positiv beeinflusst werden.
Das Pferd nimmt jeden Menschen so an, wie er ist, es wertet nicht und ist frei von Vorurteilen, reagiert aber sehr wohl artgerecht und spontan auf gute oder schlechte Behandlung und setzt somit natürliche Grenzen.

Beim HPV/R verbinden sich sensorisches, motorisches, soziales, emotionales, und kognitives Lernen eng miteinander. Indikation und Zielsetzung werden in drei Bereiche eingeteilt:

 

1.   im sensoriell – motorischen Bereich

  • Gleichgewichtsbeherrschung
  • Gesamtkörperkoordination und Körperbewusstsein
  • Raum-Lage-Orientierung
  • Kräftigung, Lockerung und Entkrampfung der Muskulatur durch dreidimensionalen, rhythmischen Bewegungsablauf des Pferdes
  • Konditionsschulung
  • Einfühlen in die Bewegung des Pferdes und Verbesserung der Haltung
  • Sinneswahrnehmungen (visuell, auditiv, taktil, olfaktorisch)

 

2.   im emotional – sozialen Bereich

  • Bildung und Aufbau von Vertrauen
  • Aufbau und Steigerung des Selbstwertgefühls
  • Eingestehen, Überwinden und / oder der Umgang mit Ängsten
  • Aufbau von Verantwortungsbewusstsein
  • Entwickeln und Fördern kooperativen Verhaltens
  • Förderung des Durchsetzungsvermögens
  • Verbesserung der Kommunikationsfähigkeit (Konfliktlösungsmöglichkeiten)
  • Abbau von aggressiven Verhaltensweisen, Umgang mit Antipathien
  • Ablauf von gruppendynamischen Prozessen kennen lernen
  • Pause vom Alltag, Kinder und Jugendliche können Energie tanken
  • Annehmen der Korrekturen von einem Erwachsenen über das Medium Pferd
  • Umgang mit Frustration und Erhöhung der Frustrationstoleranz
  • Anerkennen und Einhalten gemeinsam erstellter Regeln
  • Anerkennung der Leistung anderer
  • Hilfe geben und Hilfe annehmen

 

3.   im kognitiven Bereich

  • Sprachverständnis
  • Sprechbereitschaft
  • Sprachfähigkeit
  • Begriffsbildung
  • Förderung der Merkfähigkeit
  • Entwicklung von Lern- und Lehrbereitschaft
  • Aufbau und Förderung der Konzentrations- und Reaktionsfähigkeit
  • Entwicklung von Durchhaltevermögen
  • Entwicklung von Übertragungsfähigkeit
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